#8 - #nurderkopfzählt Justus Nieschlag

Justus Nieschlag (Mitte) ist einer der besten deutschen Triathleten. Der 24-jährige hat sich dazu bereit erklärt, für Profitrise Sport ein Interview zu geben und dabei nun wahrlich kein Blatt vor den Mund genommen.

 

Wenn man dem gebürtigen Niedersachsener zuhört, merkt man schnell, welche Einstellung er zum Sport hat. Für ihn ist es die absolute Priorität, sein Beruf, sein Leben. Dabei ging es bei Justus bereits im Kindesalter los. Früh hat er mit dem Sport begonnen und sich dabei meist für mehrere Sportarten interessiert. Skifahren, Leichtathletik und auch das Schwimmen standen bei ihm ganz oben auf der Liste. Geändert hat sich das bis heute übrigens nicht. Alleine daran ist zu erkennen: Eine Sportart alleine reicht ihm nicht.

 

Dennoch kam er – wie so viele Triathleten – vom Schwimmen zum Triathlon. Sein damaliger Schwimmverein, bei dem er als Leistungsschwimmer aktiv war, hat eine Triathlon-Sparte gegründet und Justus wurde direkt eingeladen, dort als fester Bestandteil mitzumachen. Er ließ sich nicht zweimal bitten und hat neben dem Schwimmen und der Leichtathletik einfach noch ein Fahrrad dazu genommen. Für ihn war die Motivation klar erkennbar: Statt ganzer Wochenenden in stickigen Schwimmhallen bevorzugte er dann doch die frische Luft und die Möglichkeit, sich draußen zu bewegen. Abwechslungsreich und spannend – so bezeichnet er seine Sportart heute. Ein Faktor, der ihn bis heute motiviert und der ihm Spaß an seinem Job bringt.

 

Justus studiert neben seinem Leistungssport. Für ihn geht der Sport vor, dann kommt bei ihm erst das Studium. Glücklicherweise befindet er sich nun am Ende seiner Zeit an der Universität, womit sich der Stundenplan etwas lockert. Sein Training plant er dabei zwar akribisch, dennoch hat er nur beim Schwimmen feste Zeiten. Das Radfahren und Laufen plant er „drum herum“. Ein recht erfolgreiches Konzept: Justus wurde 2011 Junioren-Europameister und Junioren-Vize-Weltmeister.

 

Für ihn ist diese Doppelbelastung jedoch auch nicht immer ganz einfach gewesen. Wenn er von der Uni nach Hause kam, wusste er, dass er noch Radfahren musste. Und das natürlich möglichst im Hellen. Da der Supermarkt nur bis 20 Uhr geöffnet hat und der Kühlschrank des Öfteren leer war, musste er sich oft zwischen Radfahren und Einkaufen entscheiden. Trockener Reis und Müsli nach dem Training waren die Folge. Nicht nur eine körperliche, sondern auch eine psychische Belastung. Und damit hat er sich schnell in eine Art Übertraining verfrachtet, aus dem er nur ganz schwer wieder herauskam. Er fühlte sich nach einer Zeit ausgebrannt, hatte keine Lust mehr zu trainieren. Und nach seiner heutigen Analyse lag dies nicht einmal an den Umfängen des Trainings.

 

Die Folge war für ihn drei Tage totale Bettruhe und drei Monate langsames Herantasten an seinen Sport. Er musste den Spaß an der Bewegung wieder von Grund auf gewinnen. Der Kopf spielte einfach nicht mehr mit und der Körper folgte nicht mehr. Der entscheidende Wandel kam dann im Höhentrainingslager mit der Nationalmannschaft, zudem er nur dank des Vertrauens seines Trainers mitreisen durfte. Er konnte aus seinem gewohnten Umfeld ausbrechen, hat andere Gegenden und Menschen gesehen und den Spaß wiederentdeckt. Die Folge: Er wurde 2016 Deutscher Meister auf der Triathlon-Sprintdistanz.

 

Heute arbeitet Justus mit einer Sportpsychologin zusammen, die ihm gezeigt hat, wie man außerhalb des Trainings bewusst abschaltet und wie man sich die Zeit nimmt zu entspannen. Der Aufwand für diese Zusammenarbeit hält sich in Grenzen, die Wirkung ist hingegen immens.

 

Seine persönlichen Ziele setzt er sich zumeist langfristig, indem er sich bspw. Im Laufbereich verbessern möchte und in ein bis zwei Jahren eine Verbesserung der Laufzeit am Ende des Triathlons anpeilt. Seine kurzfristigen Ziele bezieht er dabei auf die Wettkämpfe und mögliche Platzierungen und Zeiten. Anpassungen brauchen eben Zeit und gehen nicht von heute auf morgen – das weiß er ganz genau. Zudem ist die Leistungsdichte in seinem Sport so immens, das Kleinigkeiten entscheidend sind.

 

Hobbysportlern rät er, sich in festen Trainingsgruppen zu verabreden. Der soziale Druck verpflichtet, absagen möchte man ja am Ende auch nicht. Zudem hat er die Erfahrung gemacht, dass die Zeit bei einem harten Training gemeinsam viel schneller umgeht. Und wenn man einmal angefangen und sich aufgerafft hat, dann macht es zumeist auch Spaß. Je höher die Verpflichtungen in der Gruppe, desto besser klappt es nach seiner Aussage. So hat Justus den Tipp, dass man sich immer abwechselnd gegenseitig zum Training abholt. Damit steigt das Pflichtgefühl und die Hürde zur Absage ist viel größer. Bewusstes Abschalten nach festen Trainingszeiten und viel Abwechslung im Training rät er ebenfalls jedem Sportler. Er hat schließlich seine eigenen Erfahrungen damit gemacht.

 

Im Wettkampf selbst führt Justus gerne auch einmal Selbstgespräche und versucht damit, seinen Körper mit seinem Kopf auszutricksen und die entscheidenden Prozente herauszuholen. „Nur noch bis dahin“ hört er sich sehr oft sagen, wenn die Muskeln brennen und der Schmerz der Anstrengung im Körper liegt. Sein ganz persönlicher Moment, bei dem #nurderkopfzählt beschreibt er mit dem letzten Kilometer seines Rennens zum Europameister-Titel. Als er diesen einen Kilometer vor dem Ziel noch auf Platz 5 liegt und die vor ihm liegenden Mitstreiter noch sieht, erinnert er sich an sein Training zurück. „Das ist jetzt noch ein Intervall, das haust du raus!“

 

Der letzte Kilometer ist für ihn keine Sache des Fitnesszustands. „Es geht allen dreckig, es tut allen Weh. Da ist nur der Kampfgeist entscheidend.“

#nurderkopfzählt von einem Mann, der immer mit dem Limit spielt und gelernt hat, bewusst abzuschalten.

 

Über Justus könnt ihr mehr erfahren auf www.justus-nieschlag.de

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