#5 - ...und jetzt?

Zu Beginn noch ein Traum. Und dann geschafft. Vorbei. Am Ziel der Träume!

 

So ungefähr gehen die Gedanken durch den Kopf, wenn man das erreicht hat, worauf man die ganze Zeit hingearbeitet hat. Super-Bowl gewonnen, den Pokal des Weltmeisters in die Höhe gestreckt oder die Medaille nach der Ziellinie des Marathons abgestaubt. Man ist im und am Ziel. Und während man den Abend des großen Tages gemütlich auf dem Sofa verbringt oder vielleicht auch eine große Party feiert, kommt danach die erste Frage auf: „…und jetzt?“

 

Was genau macht man denn jetzt, wenn man sein Ziel erreicht hat? Ich kann mich noch sehr gut an meinen ersten Marathon erinnern. Ein grandioses Erlebnis, bei dem ich gerade so die 5-Stunden-Marke unterboten hatte. Während ich zunächst meine Kilometer wie ein Uhrwerk runterspulte, bin ich bei km 30 brutal eingebrochen. Ich wollte kurz gehen, um das Getränk entgegen zu nehmen, welches ich bei der Familie positioniert hatte. Ein großer Fehler. Der Kopf wollte vielleicht noch irgendwie weitermachen. Nur die Beine wollten die Signale des Kopfes gar nicht mehr annehmen. Ich gehe doch. Wofür soll ich noch laufen? Und als ich wenige Meter später auch noch an meiner Haustür vorbeiging, war es fast um mich geschehen. Die Luftlinie bis zum Sofa betrug vielleicht 20 Meter. In meinem Kopf stand ich bereits davor und musste mich eigentlich nur noch weich auf Polster und Kissen fallen lassen. Der Schmerz wäre vorbei. Aber das kann man danach ja niemandem erzählen. Aufgeben? Das war nicht drin. Weiter! Einfach weiter!

 

Die folgenden Kilometer waren eine pure Qual, der Zieleinlauf danach jedoch umso schöner. Nur diese Qual wollte mich irgendwie nicht loslassen. Noch im Ziel kamen diese magischen Worte über meine Lippen: „Das mache ich nie wieder!“

 

Der erste Tag danach war ja schon mehr als bescheiden. Die Beine sollte ich wirklich bewegen? Ernsthaft? Fehlanzeige. Musste ich denn wirklich aufstehen? Vielleicht hätte ich das tun können aber die damit verbundenen Schmerzen wollte ich nicht wirklich erleiden. Und ich hatte auch noch den goldenen Fehler gemacht, den nächsten Tag nach dem ersten Marathon nicht frei zu nehmen. So wurden die Treppen zum Büro der absolute Alptraum. Habe ich zumindest gedacht. Bis ich am zweiten Tag aus dem Bett aufstehen wollte und den wirklichen Alptraum erfuhr. Schon irgendwie lustig, wenn sich jeder einzelne Muskel im Bein vollkommen überfordert fühlt und einfach nur Schmerz entsendet. Warum zur Hölle wollte ich auch diesen Marathon laufen? Ich höre mich heute noch die Worte immer und immer wieder sagen: „Das mache ich nie wieder! Einmal reicht dieses Erlebnis.“

 

Was jedoch danach im Kopf passiert, kann ich nicht erklären. Ich will es auch gar nicht. Denn es ist sensationell. Schon ein paar wenige Tage später erwischt man sich bei den verschiedensten Gedanken: Das kann ich doch besser. Knappe 5 Stunden? Also wirklich. Da ist noch so viel Luft nach oben. Das müsste ich eigentlich ausprobieren. Ich müsste nur etwas mehr trainieren. Ohne den Einbruch wäre ich schließlich schon bei ca. 4:30h.

 

Der Schmerz scheint einfach völlig vergessen. So muss sich das ungefähr anfühlen, wenn man als Frau ein Kind zur Welt gebracht hat. Wer tut sich diesen Schmerz denn freiwillig an? Und wer macht das dann auch noch ABSICHTLICH ein zweites Mal? Ist es wirklich dieses Gefühl beim Zieleinlauf, welches uns antreibt und alle Schmerzen vergessen lässt? Das Gefühl, wenn man das Kind dann in den Händen hält? Wenn man den Lohn für die ganze Arbeit bekommt?

 

Und was genau treibt einen dann eigentlich an, wenn man seine Grenze erreicht hat? Oder hört man dann einfach auf? Beendet man dann die Karriere und hängt die Schuhe an den Nagel? Warum beendet Nico Rosberg seine Formel1-Karriere, wenn er Weltmeister geworden ist, während sich Michael Schuhmacher acht Mal zum Weltmeister krönt? Warum hört Jan Frodeno nicht auf, wenn er zwei Mal den Ironman auf Hawaii gewonnen hat? Hört man wirklich auf, wenn es am Schönsten ist? Und was machen dann eigentlich Hobbysportler? Man weiß doch, dass es weh tut. Warum quälen wir uns? 

 

Ziele setzen und Ziele erreichen. In welcher Form auch immer. Alles dafür zu geben. Das ist es, was mich fasziniert – und wo der Kopf die entscheidende Rolle spielt. Denn dann fangen wir wieder an zu träumen über das, was möglich wäre…

 

#nurderkopfzählt

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