#19 - Geduld!

Eines können wir Sportler und ganz speziell wir Ausdauersportler sicherlich gar nicht: Geduld haben. Am besten so viel Training wie möglich und anschließend sofort die Ergebnisse sehen. Heutzutage doch alles ganz einfach. Das Handy oder die Uhr trackt alles mit, die Daten kann ich mir nach dem Training sofort auf dem Tablet oder wo auch immer anschauen. Wie war ich heute? Wie war mein Puls? Bin ich schon besser geworden? Ich vergleiche mal gerade mit dem Lauf von gestern…

 

Die Ernüchterung kommt meistens schnell. Nichts ist besser geworden. Gar nichts. Deprimierend… in sechs Wochen steht mein großes Ziel bevor und nichts hat sich in den letzten vier Wochen geändert. Wie soll ich das denn noch schaffen? Höher, schneller, weiter! Und das Alles am besten ganz schnell!

 

Was viele Athleten nicht verstehen oder auch verstehen wollen, ist die Tatsache, dass unser Körper für Anpassungsprozesse jede Menge Zeit benötigt. Anpassungsprozesse finden eben – platt gesagt – nur in der Erholungsphase statt. Und natürlich eben nur dann, wenn vorher dem Körper auch ein Signal gegeben wurde, dass er sich anzupassen hat. Wenn ich also jeden Tag immer nur die gleiche Strecke im gleichen Tempo absolviere, dann wird unser Körper niemals auch nur das Gefühl haben, dass er etwas verändern muss und somit besser werden kann. Dieses Konzept wird Superkompensation genannt.

 

Natürlich könnt ihr euch nun mit wissenschaftlichen Verfahren genau bestimmen lassen, wann ihr am besten Reize setzt und wann ihr nach einem Reiz wieder anfangen könnt zu trainieren, um den nächsten Reiz zu setzen. Darauf möchten wir aber hier nicht hinaus. Viel mehr möchten wir Euch ein kleines Rechenbeispiel geben:

 

Wissenschaftlich bewiesen und auch vom Landessportbund NRW gelehrt wird die Tatsache, dass Anpassungsprozesse eine gewisse Zeit benötigen – abhängig von dem Objekt, was sich anpassen soll. Recht kurzfristig, sogar innerhalb von Stunden bzw. Tagen, passt sich das Nerven- und Herz-Kreislaufsystem an. Bei unserer Muskulatur sprechen wir von Tagen/Wochen, während Sehnen und Knochen einen Zeitraum von Monaten benötigen. Das führt des Öfteren dazu, dass viele Sportler aufgrund einer schnell aufgebauten Muskulatur und einem Gefühl von unterfordert sein die Umfänge rapide steigern und sich anschließend über Knieschmerzen beschweren oder auch Probleme mit der Achillessehne bekommen, weil diese Körperteile mit der neuen plötzlichen Belastung gar nicht zurechtkommen.

 

Wir können die Reparatur- und Anpassungsprozesse zwar mit geeigneter Ernährung und einem gesunden Lebensstil beschleunigen bzw. durch den Verzicht von Alkohol und Co. nicht verlangsamen, dennoch lässt sich hier bereits erahnen, dass wichtige Prozesse und ein gesunder Aufbau eines Trainings eben Jahre dauern kann und Kontinuität erfordert. Und was einmal aufgebaut ist, verschwindet so schnell nicht wieder. Denn in der gleichen Reihenfolge passiert der „Abbau“ von Muskulatur, Knochen und Sehnen. Muskulatur wird also schneller abgebaut, kann aber auch schneller wieder aufgebaut werden. Wenn ich also einmal trainiert war, kann ich die Umfänge auch trotz einer Pause von einem Monat schneller wieder steigern.

 

Das Gleiche gilt im Übrigen auch für Bewegungsabläufe. Studien haben herausgefunden, dass unser Körper mehrere zehntausend Wiederholungen benötigt, um einen Bewegungsablauf gezielt durchzuführen und zu automatisieren. Damit ist aber genau ein spezifischer Bewegungsablauf gemeint, beispielsweise das Aufsetzen des Fußes beim Laufen oder das Eintauchen des Armes beim Schwimmen. Wie lange müssen wir also trainieren, um etwas zu verbessern, zu automatisieren oder aus einem falschen Bewegungsmuster zu entfliehen? Die Zahlen kann sicherlich jeder für sich selber ausrechnen. Wichtig ist, dass wir auch hier unseren Körper und unseren Kopf immer wieder mit neuen Reizen fordern und fördern. Und trotzdem die nötige Geduld bewahren. Alles brauch seine Zeit.

 

#nurderkopfzählt

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