#17 - #nurderkopfzählt - Natascha Schmitt

Eine lange Verletzungspause hat Natascha Schmitt in den letzten Monaten von ihrer so erfolgreichen Profikarriere als Triathletin auf eine echte Geduldsprobe gestellt. Mit Profitrise Sports hat sie sich lange über diese Pause unterhalten. Für die studierte Sportwissenschaftlerin spielt nicht nur in dieser Zeit der Kopf eine entscheidende Rolle. Auch in ihren Rennen greift sie auf psychologische Aspekte zurück und gibt tolle Tipps für den Ausdauersport.

(Bilder: Marcel Hilger)

5 Monate hat Natascha bis zu unserem Interview keinen oder kaum Sport gemacht. Eine Entzündung der Sitzbeinhöcker hat sie in der letzten Zeit viel Kraft gekostet und sie fast zur Verzweiflung gebracht. Die Entzündung wollte kaum abklingen.

Und dabei verlief ihre Karriere bisher äußerst erfolgreich. Angefangen hat sie mit der Leichtathletik im Alter von gerade einmal zehn Jahren. Dort hat sie tatsächlich der in jungen Jahren bereits realisierte Erfolg hingeführt. Schon früh bemerkte sie ein gewisses Talent im Laufen, denn ihren ersten Volkslauf für Kids mit sechs Jahren beendete sie ganz oben auf dem Siegerpodest. Den gewonnenen Pokal nahm sie voller Stolz mit nach Hause – der Ehrgeiz war geweckt, noch mehr Pokale zu gewinnen.

 

Vom Erfolg getrieben setzte sie früh den Fokus auf den Laufsport und nahm erfolgreich an Outdoor-Wettkämpfen teil. Insbesondere Cross- und Bergläufe machten ihr eine Menge Spaß. Das Problem: Nataschas Körper war und ist sehr verletzungsanfällig, was sie aufgrund der höheren Belastung für die Muskulatur bei kürzeren Strecken immer wieder zu spüren bekam.  Die Konsequenz war simpel: Sie konzentrierte sich immer auf die längeren Strecken. Eine weitere Folge der vielen Verletzungen war, dass sich Natascha neben dem Laufsport immer wieder Alternativsport suchen musste, um die angeschlagenen Sehnen und Muskeln nicht zu stark zu belasten und trotzdem aktiv zu bleiben. Also ging sie stattdessen schwimmen oder setzte sich aufs Fahrrad.

 

Natascha ist jedoch ein Mensch, der Wettkämpfe liebt. Für sie macht es den absoluten Reiz aus, sich mit anderen zu messen und so die eigene Leistung immer weiter zu verbessern. Im Training kann man alleine sehr schwer an die eigene Grenze gehen oder denkt zumindest, dass man sie an manchen Stellen bereits erreicht hat. Reize von außen, beispielsweise durch Gegner und Konkurrenten, können aber noch einmal ganz andere Kräfte auslösen. Für sie ist zwar schon der Reiz groß, das Rennen zu gewinnen, sie nutzt die Konkurrenz aber viel mehr als Ansporn, die eigene Leistung weiter zu verbessern. Darauf legt sie die volle Konzentration. Gleichzeitig gibt sie zu, dass auch die soziale Komponente einen Einfluss auf ihren Ehrgeiz hat: „Ich möchte zeigen, wofür ich trainiert habe und für andere ein Vorbild sein.“

 

Daher war für sie klar, dass sie auch die eigentlichen Alternativsportarten im Wettkampf ausprobieren wollte: „Ich habe direkt mit der olympischen Distanz im Triathlon angefangen, da ich auf den längeren Strecken immer Erfolg hatte. Sprintstrecken sind nichts für mich.“ Als sie dann ihre erste olympische Distanz gleich gewann und deutsche Meisterin in ihrer Altersklasse wurde, war ihr klar, dass sie sich voll auf den Triathlon konzentrieren wollte.

Das Besondere: Natascha hat erst während ihres Sportstudiums das Schwimmen richtig gelernt. Bis dato hatte sie sich nur Schwimmwettkämpfe angeschaut und versucht, die Bewegungen im Freibad nachzumachen. Ein gewisses Talent scheint bei ihr also gegeben zu sein, auch wenn sie durchaus durch Fleiß im Training überzeugt: „Heute trainiere ich 4-5 Stunden am Tag.“

Zu den Profis kam Natascha, als sie den für sie logischen Schritt auf die Mitteldistanz machte und somit die Strecken weiter verlängerte. Bei den Europameisterschaften stieg sie in ihrer Altersklasse ganz oben auf das Podest und setzte danach alles auf eine Karte. Nach zwei Jahren im Triathlon-Sport wagte sie den Sprung ins Profilager.

Als Spezialistin für die langen Distanzen hat sie sich dabei sehr früh mit der Psychologie beschäftigt. Heute sagt sie, dass ca. 40% eines Rennens durch den Kopf bestimmt werden. Die eigene Leistung bzw. das Leistungsvermögen machen für sie lediglich 60% aus. Ein Statement! Natürlich ist sie sich bewusst, dass sie ohne Leistung kein Rennen gewinnen kann, ebenso ist für sie das Selbstvertrauen und die eigene Überzeugung aber sehr relevant: „Der Wille muss da sein!“

 

Bereits sehr früh hat sie daher mit einem Psychologen zusammengearbeitet und sich selbst auch intensiv mit der Psychologie auseinandergesetzt. Für sie gehört es genauso dazu wie die Ernährung oder der sportliche Trainingsplan. „Ich bereite meine Rennen sehr akribisch vor und unterlege Abschnitte im Rennen mit Bildern, Liedern und tollen Erfahrungen. So bin ich auch auf ein Tief vorbereitet und kann mich in schwierigen Situationen ablenken und mich neu konzentrieren.“ Manchmal ruft sie sich auch gut gelaufene Trainingseinheiten wieder in den Kopf, um sich von ihrer eigenen Leistungsfähigkeit zu überzeugen. Den Tipp gibt sie daher auch gerne an Hobbysportler weiter.

 

Und der Erfolg gibt ihr Recht: „In manchen Rennen wäre ich vom Papier her vielleicht maximal auf Platz 5 gelandet. Trotzdem habe ich das Rennen gewonnen.“ Dabei hatte sie auch durchaus Probleme mit der Psyche. Im Freiwasserschwimmen wurde sie das ein oder andere Mal untergetaucht. Trotz ihrer guten Schwimmleistungen hatten sie diese negativen Ereignisse derartig zurückgeworfen, dass sie sich nicht mehr getraut hatte, in der Mitte zu starten und sich durchzusetzen. Sie hat erfolgreich daran gearbeitet und benutzt dabei ihr gesundes Selbstvertrauen, was keinesfalls in Selbstüberschätzung mündet. Das sind eben diese Momente, bei denen bei Natascha #nurderkopfzählt.

 

Kraft tankt Natascha insbesondere bei ihrer Familie. Für sie ist es extrem wichtig, ein sicheres Umfeld zu haben und auf ein eingespieltes Team setzen zu können. Ihre Familie begleitet sie zu allen Wettkämpfen, ihr Trainer gibt ihr wichtige Hinweise und stellt sie auch mental ein. So hat sie in jedem noch so unbekannten Umfeld eine vertraute Komponente, die ihr ein gutes Gefühl gibt.

 

Wie wichtig ihr das gute Gefühl ist, beschreibt sie mit einem ihrer schönsten Momente: Bei ihrem Heimrennen, dem Ironman Frankfurt, hat sie lange Zeit geführt und sich wie im Flow gefühlt. „Ich habe gar nicht auf die Zeit geachtet und das Rennen einfach nur genossen.“ Und obwohl sie am Ende noch auf Platz 4 durchgereicht wurde, lässt sie dieses Erlebnis nicht los. Ein Highlight ihrer bisherigen Karriere!

 

Gerade in ihrer langen Verletzungspause sind der Kopf und das Umfeld wichtiger denn je. In schwierigen Phasen ruft sie sich daher immer ihre bisherigen Erfolge hervor. Das gibt ihr eine Menge Kraft. „Ich bin nur einmal jung und möchte wissen, wie weit ich kommen kann.“ Dazu setzt sich Natascha immer neue Ziele: „Früher wollte ich nach meinen ersten Pokalen einmal 100 Pokale gewinnen. Nachdem ich das erreicht hatte, musste ich mir neue Ziele setzen. Ohne geht es nicht.“ So ist sie aber auch in der Lage, sich kurze und kleine Ziele zu setzen. Nach der Verletzungspause ist es für sie auch ein Ziel, wieder 30 Minuten durchlaufen zu können. Auch langfristig hat sie sich einiges vorgenommen: „Ich möchte einmal in Frankfurt bei meinem Heimrennen gewinnen und irgendwann den Ironman unter 9 Stunden finishen.“ Und auch Hawaii spielt für sie noch eine Rolle: „Die Top 10 sind ein großer Traum von mir.“

 

Uns gegenüber sagt sie, dass sie sich selber beweisen möchte, was sie kann. Wir haben keine Zweifel daran, dass sie nach ihrer kleinen Pause stärker zurückkommt und ihre Ziele erreicht!

 

Gib Gas, Natascha! #nurderkopfzählt

Mehr über Natascha gibt es auf www.nataschaschmitt.de!

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