#14 - #nurderkopfzählt - Erik Felsner

Vom Spätstarter über die Teilnahme an deutschen Meisterschaften bis zum überaus erfolgreichen Schwimm- und Triathlon-Trainer. Erik Felsners Weg beinhaltet nicht gerade das strukturierte Vorgehen eines akribischen Trainers.  Wir haben mit ihm über Erfolg, die Aufgabe eines Trainers und natürlich auch die mentale Komponente von Athleten gesprochen. Seine Tipps? Eigentlich ganz einfach…

 

Heute gibt es Schwimmkurse für Babys, Kleinkinder und natürlich auch Erwachsene. Da immer mehr Bäder geschlossen werden, wird das frühe Schwimmen jedoch immer schwieriger. Erik hatte damals in der Grundschule Schwimmunterricht, was heutzutage durchaus selten ist. Er hatte aber wohl bereits früh das richtige Wassergefühl, sodass er im Alter von 10 Jahren selbständig auf seine Eltern zugegangen ist und sie nach einem Schwimmverein gefragt hat.  Heute sagt er, dass er immer Spaß am Schwimmen hatte und dies zunächst nicht als Training wahrgenommen hat. In der 3. Klasse schwamm er die 25 Meter in 21 Sekunden - ohne jegliches Training in einem Schwimmverein. Eine durchaus beachtliche Leistung, die sich so mancher Erwachsener wünscht.

 

Von seinem Schwimmverein in Köln-Worringen wechselte er anschließend als 17jähriger nach Dormagen, um dort bis zu sechs Mal in der Woche zu trainieren. Seinen Freundeskreis hatte er dann natürlich im Verein, was das Training für ihn recht einfach machte. Wo sich so mancher Sportler regelmäßig aufraffen muss, gehörte für ihn das Training nach der Schule zur Normalität. Es war selbstverständlich und in seinen Rhythmus integriert, dass er von 16-20 Uhr Training hatte.

 

Mit 20 Jahren hat die Lust dann bei ihm allmählich abgenommen. Nicht für den Sport sondern mehr für den eigenen Leistungsgedanken. Der Grund war wohl der limitierende Faktor, hatte er doch das Gefühl, dass er nicht mehr wirklich schneller werden könnte. Eine Teilnahme an den deutschen Meisterschaften konnte er bis dahin vorweísen, die nächste Qualifikation verpasste er hingegen. Da in diesem Alter dann zudem das Studium und damit verbunden ein Ortswechsel anstand, war es für ihn ein guter Zeitpunkt, die Badehose an den Nagel zu hängen. Heute erzählt er, dass er wohl damals noch lange nicht am Limit war. Aber hinterher ist man eben immer schlauer.

 

In seinem Statistik-Studium beschäftigte er sich jedoch weiterhin mit Sport und sammelte u.a. Daten über viele Ausdauerwettkämpfe – vor allem im Triathlon. Als guter Schwimmer hatte er bereits mit 17 an einem solchen teilgenommen und kam prompt als erster aus dem Wasser. Ein Traum für viele Hobbysportler. Schon damals bemerkte er aber, dass ein Triathlon eben aus drei Disziplinen bestand. Im Ziel war er dann nicht mehr an der Spitze zu sehen.

Nebenberuflich wollte er nach seinem Studium keinesfalls als Trainer arbeiten – richtig oder gar nicht. Zeit für die Familie wollte er haben, eine richtige WorkLife-Balance eben. Also entschloss er sich, einen „normalen“ Beruf als Statistiker auszuüben. Dem Sport blieb er hingegen treu.

 

Als er dann von seinem ehemaligen Trainer Andi Paeck eine Stelle als Trainer in Dormagen angeboten bekam, überlegte er kurz, sagte dann aber schließlich doch zu. Er hat damit definitiv seine richtige Passion gefunden. Bis Oktober 2007 hat er am Landesleistungsstützpunkt Dormagen als hauptamtlicher Trainer im Leistungssport gearbeitet. Seine anschließende Selbstständigkeit startete er mit einem Kontakt zum STAPS-Institut, was vielen Triathleten bestens bekannt sein dürfte. Das Institut ist in der Leistungsdiagnostik zu Hause und betreut viele Profiathleten. Über STAPS betreute Erik seine ersten Triathleten im Schwimmen. Über verschiedene Trainerstationen hat er sich so seine Selbständigkeit aufgebaut, arbeitet heute als Schwimmtrainer mit A-Lizenz und betreut mit diesem gern gesehenen Background auch viele Triathleten – egal ob Anfänger, Fortgeschrittene oder Profis.

 

Und da ergeben sich für ihn auch schon die Unterschiede. In seiner Trainingsplanung für seine Athleten kümmert er sich zunächst um ein realistisches Zeitkontingent pro Woche. Die Aussage muss vom Athleten kommen, wie viel Zeit er pro Woche opfern kann. Und hier ist ihm eine extrem ehrliche Einschätzung wichtig, bei der auch die familiäre Situation berücksichtigt werden muss. Er weiß, dass viel Training in der Woche nicht auch lange Ausfahrten am Wochenende nach sich ziehen können. Da macht die Familie irgendwann nicht mehr mit und auch das Stresslevel für den Athleten ist zu hoch.

 

Er empfiehlt, zusätzliche Einheiten besonders vor der Arbeit zu machen. Da kommt am wenigsten dazwischen und die Familie spürt kaum eine Auswirkung. Ob auf der Rolle, ein Nüchternlauf oder ins Schwimmbad – Training am Morgen ist immer möglich. Weitere gute Möglichkeiten sind ein Training in der Mittagspause und ein Lauf oder eine Ausfahrt zur Arbeitsstelle anstatt mit dem Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. Hier bekommt man den Kopf frei und schraubt weiterhin an einem guten Zeitmanagement. Das hängt dann aber natürlich auch vom Arbeitszeitmodell, der Länge des Arbeitsweges oder auch den vor Ort gegebenen Duschmöglichkeiten ab.

 

Seiner Ansicht nach reichen drei Einheiten in der Woche, um eine olympische Distanz (1,5 km Schwimmen, 40km Radfahren und 10km Laufen) vernünftig zu bestehen. „Einmal jede Disziplin zu trainieren, reicht eigentlich aus. Große Fortschritte wird man dadurch aber nicht erzielen.“ Bei fünf Einheiten in der Woche empfiehlt er einen Fokus zu setzen und eine Disziplin doppelt auszuüben. Dabei sollte man dies nicht jede Woche wechseln sondern Blöcke von 6-8 Wochen einsetzen, in denen sich die Abläufe und die Steigerung der Leistung festsetzen kann. Die fünfte Einheit kann dann aus Athletik-Training bestehen, die aber nur unter Anleitung ablaufen sollte. Das können auch Kurse im Fitnessstudio sein. „Mit falschem Athletiktraining macht man sich mehr kaputt als man aufbauen kann!“

 

Wichtig ist, verlorene Einheiten auf keinen Fall nachzuholen – erst recht nicht bei Krankheit. „Das geht nach hinten los. Wenn der Athlet nur 80% seiner Aufgaben erfüllt, hat er 100% seines Trainingsziels erreicht.“ Die Motivation kommt nach Eriks Ansicht auch mit dem Aufsaugen des vermittelten Wissens. Wenn der Sportler merkt, was er warum erreicht hat, wird es ihn automatisch motivieren. Stumpfes Training bringt keine Motivation, man muss auch wissen, warum man etwas tut. „Beste Motivation ist Ehrlichkeit. Wenn es einmal nicht gut läuft, muss man etwas ändern. Dann kann man auch mit neuer Motivation starten!“

 

Die Sportpsychologie hält er derweil für die bisher am wenigstens entwickelte Sportwissenschaft. Hier gäbe es bei jedem Athleten noch eine enorme Leistungsreserve, die man nur herauskitzeln muss. So wie er damals auch gedacht hat, dass er an seiner Leistungsgrenze ist. „Man muss sich quälen können.“ Was auch immer einem dabei hilft.

Besondere Tipps für das Schwimmen hat er für Sportler allerdings nicht. „Wasser ist für uns Menschen ein fremdes Element. Je mehr Zeit wir damit verbringen, desto besser beherrschen wir es.“ Insbesondere im Freiwasser weist er darauf hin, dass auch extrem gute Schwimmer Respekt davor haben. Das hat allerdings nichts mit der Leistung zu tun sondern ist einfach ein ungewohntes Terrain. Auch hier heißt es also, sich so oft wie möglich damit zu konfrontieren.

Als Trainer ist er daher nicht nur Planer sondern auch Wissensvermittler und Seelsorger. „Ich weiß fast mehr über die Athleten als die Familie.“ Wem es das wert ist, der wird mit einem Trainer noch einmal einen Leistungssprung erzielen. Egal in welcher Sportart. Erik weiß aber auch, dass ein Trainer Luxus ist: „Es geht auch ohne.“

 

Einen Tipp gibt er trotzdem noch: „Denk immer daran, was du leisten kannst. Wenn du gut trainierst, ist dein Körper dazu in der Lage. Du kannst dir vertrauen!“ Ein bisschen Grundoptimismus ist also nicht nur bei Trainern sondern auch bei Athleten angebracht.

 

#nurderkopfzählt

 

Mehr über Erik und seine Leistungen könnt ihr auf www.ef-sports.de entdecken.

 

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