#13 - #nurderkopfzählt - Philipp Pflieger

Ein Läufer durch und durch. Philipp Pflieger ist Marathonläufer und war 2016 bei den olympischen Spielen von Rio für Deutschland beim Marathon am Start. Über seine Erfahrungen hat er mit Profitrise Sports in einem Interview gesprochen. Ein tolles Gespräch über Naivität, den Moment alles hinzuschmeißen bis hin zu seinem persönlichen Marathon-Highlight.

 

Philipp stammt aus einer sportinteressierten Familie, in der früher viel Sport geguckt wurde und auch selber gelaufen wurde. Als kleiner Junge hat er sich davon anstecken lassen und aus dem Satz „ich will mit, Papa!“ wurde schnell eine Leidenschaft. Zunächst hat er an Kids-Läufen teilgenommen, bei denen er eine Urkunde bekommen hatte. Heute bezeichnet er dies als positive Verstärkung, denn er kam mächtig stolz nach Hause. Zwischen der Leichtathletik und den typischen Ballsportarten konnte er sich schnell entscheiden, denn Ballsport war und ist nichts für ihn – sein Talent dafür bezeichnet er als „erfolglos“. Jeder hat eben andere Talente.
 

Aufgrund seiner sportinteressierten Familie hat er sich 1996 über das Fernsehen von den olympischen Spielen in Atlanta anfixen lassen. Als 9-jähriger stand somit für ihn schon fest, dass er einmal zu den olympischen Spielen möchte. Ein ehrgeiziges und vor allem langfristiges Ziel, an dem er folglich arbeitete und noch viel zu knabbern hatte. 

Menschen, die ihm sagen, dass der Laufsport zu langweilig sei, versteht er nicht. „Du kannst überall laufen und brauchst nichts dafür. Ob in den Bergen beim Trailrunning, auf der Straße, auf der Bahn oder auf dem Laufband. Laufen ist extrem abwechslungsreich!“ Das nutzt er auch aus, denn Philipp hat bis zu 13 Lauf-Trainingseinheiten in der Woche zu absolvieren, dazu kommt in der Regel noch zweimal Krafttraining. In Summe kommt er in Hochzeiten auf ca. 200km in der Woche. Ein irres Pensum.

 

Wie die meisten Marathonis kommt Philipp von der 400m-Bahn, auf denen er 5.000m und 10.000m-Läufe absolvierte. Mit einer Zeit von 13:31 Min. auf 5.000m war er jedoch von der Norm für London 2012 noch weit entfernt. Da die Norm generell in Deutschland für internationale Wettkämpfe und erst recht für olympische Spiele viel zu heftig war, hat er sich 2013/2014 für den Wechsel auf die Straße entschieden, um seinem Traum noch eine Chance zu geben. Für den Marathon in Rio bedeutete dies eine Zeit von 2:12h – für ihn klang das zunächst „ganz süß“. „Ich habe mir das damals ausgerechnet und kam ca. auf einen Schnitt von 3:08 Min/km. Da ich sonst im Wettkampf über 5000m an die 2:40 Min/km lief, klang das recht gut machbar.“

 

Dass der Marathon aber seine ganz eigenen Gesetze hat, merkte er dann bei seinem Debüt in Frankfurt 2014. „Bei km 37 bin ich einfach kollabiert. Ich weiß von diesem Moment heute nichts mehr.“  Eine krasse Erfahrung, die er bis dato nicht kannte und ihn völlig das Zweifeln anfingen ließ. „Du kannst diese Grenze nicht simulieren.“ Er hatte das erste Mal die Kontrolle über seinen Körper verloren und wollte schon ganz hinschmeißen. „Ich war mehrere Wochen gar nicht laufen und in einer Art Identitätskrise.“ Aufschwung gab ihm erst sein Trainer, der ihn ohne Vorankündigung für Januar zum Trainingslager anmeldete und ihn damit quasi zwang, wieder in das Training einzusteigen. Unabhängig von einer Normjagd und gepusht vom guten Wetter und seinem erholten Körper entdeckte er wieder den Spaß am Laufsport und schöpfte neue Energie. „Dieses eine Jahr war dann entscheidend. Ich wollte alles versuchen, damit es klappt und ich nach Rio fahren konnte.“ Für sein Qualifikationsrennen hat er sich Berlin 2015 ausgeguckt. Das alles entscheidende Rennen – ein einziger Schuss musste sitzen. „Wenn es nicht geklappt hätte, hätte ich definitiv mit dem Leistungssport aufgehört.“

 

Dass es mit 2:12:50 Stunden geklappt hat, hat er nicht nur seinem Training, sondern auch seinem Kopf zu verdanken. Am Start war er extrem nervös, wobei die Anspannung mit dem Startschuss vollkommen verflogen ist. Ab dann zählte es. Zunächst war seine gesamte Gruppe noch gut unterwegs, bis bei km 30 die Tempomacher den Zug verließen. Der darauffolgende Kilometer war mit 3:15 Min statt 3:08 Min „deutlich langsamer“, was eigentlich ganz normal ist, wenn die Tempomacher aussteigen. Als dann Unruhe aufkam und einer seiner Konkurrenten im Vollsprint loslief, gab ihm sein Kopf den richtigen Reflex. „In so einem Moment musst Du voll auf der Höhe sein. Du darfst nicht viel nachdenken und den Moment verpassen. Die Konzentration ist extrem wichtig.“ Die darauffolgenden 10 km waren brutal schnell, verhalfen ihm aber zu seinem Ziel: Die Teilnahme an Olympia in Rio 2016. Heute bezeichnet er diesen Lauf als den geilsten seines Lebens – vor Rio.

 

Trotz oder genau wegen seiner bisherigen Erfahrungen würde er jedem Menschen empfehlen, einmal einen Marathon zu laufen und die Grenzen zu entdecken. Für ihn ist es ein Mythos, der ihn mittlerweile ebenfalls voll und ganz erwischt hat und der ihn nicht mehr loslässt. „Wenn keine gesundheitlichen Einschränkungen dagegensprechen, würde ich den Marathon immer weiterempfehlen.“ Für ihn ist allerdings auch völlig klar, dass die gesundheitliche Untersuchung zu diesem Sport auf jeden Fall dazugehört, denn Marathon ist eine „heftige Belastung“. Seine Empfehlung ist es, sich mindestens einmal im Jahr von einem Sportarzt /Kardiologen untersuchen zu lassen.

 

Seine Motivation schöpft Philipp aus seinen Erfahrungen. Wenn es einmal nicht läuft, versucht er, locker zu bleiben. „Ich weiß, dass ein schlechter Moment nicht das erste Mal da ist und dass es auch nicht das letzte Mal sein wird.“ Träume hat er immer noch: Nochmal Olympische Spiele in Tokio 2020 und herauszufinden was sein Körper über die Marathondistanz noch zu leisten im Stande ist.

 

Dennoch weiß er, dass es insbesondere im Marathon wichtig ist, geduldig zu sein. Das empfiehlt er auch jedem Sporteinsteiger. „Marathon macht man nicht von heute auf morgen. Veränderungen brauchen Zeit!“ Stattdessen empfiehlt er, am Anfang nicht zu viel zu wollen und sich auf die kleinen Sachen zu konzentrieren. Blackroll, Stretching, Vorbereitung, Nachbereitung. Das sind die Themen, auf die man achten sollte.

Für sich selbst denkt Philipp kurzfristig bereits an die Heim-EM 2018 in Berlin. Dort will er ein sehr gutes Ergebnis erzielen, trotz einer großen Konkurrenz, die insbesondere auch national deutlich stärker geworden ist. Ultra-Läufe kommen hingegen für ihn in Zukunft überhaupt nicht in Frage. „Das ist mir zu krass.“ Interessante Worte von jemandem, der die 42,195 km in 2:12h läuft…

 

Egal, wo es ihn hintreibt, Philipp hat erkannt, dass er mental voll auf der Höhe sein muss. Und daran haben wir keinen Zweifel!

 

#nurderkopfzählt

 

Mehr über Philipp gibt es unter
https://www.facebook.com/philipp.pflieger/

oder

http://www.philipp-pflieger.de

 

 

 

 

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