#11 - Motivationsmomente

04. September 2016 – der Tag, auf den ich mich so lange vorbereitet habe, war endlich da. Köln-Triathlon oder wie ich es heute sage: Ein absolutes Highlight meines Lebens.

 

Aber von Anfang an: Im Spätsommer 2015 hatte ich mich als Finisher des Köln Marathon nach einer neuen Herausforderung umgeschaut. Irgendwoher musste ein neuer Reiz kommen – ich brauchte neue Motivation! Über den Schwimmverein meiner Schwägerin bin ich auf die Triathlon-Sparte aufmerksam geworden. Wollte ich das wirklich tun? Triathlon? Drei Sportarten? Na klar, das schaffe ich!

 

Dass ich so schlecht schwimmen konnte, hatte ich dann nur nicht wirklich gedacht. Die ersten Kraulversuche im Wasser scheiterten kläglich, nach 15 Metern fehlte mir einfach die Luft. Atemtechnik? Fehlanzeige. Aufgeben? Auf keinen Fall!

 

Im Spätsommerurlaub auf Fuerteventura habe ich mir dann im Livestream den Ironman Hawaii angeschaut. Spätestens da hatte mich das Fieber völlig erwischt und ich habe bereits während des Urlaubes jeden Morgen fleißig im Pool trainiert. Laufen und Radfahren war kein Problem, das Schwimmen hingegen blieb meine Problemdisziplin. Sicherlich können das einige Mitstreiter nachvollziehen. Laufen und Radfahren haben wir schließlich als Kind mal gelernt.

 

Nach einigen zähen Trainingskilometern stand dann im Mai 2016 der erste Triathlon-Wettkampf in Gladbeck an. Der Triathlon-Verein, bei dem ich mich dann auch angemeldet hatte, startete in der Verbandsliga. Und ich hatte beschlossen, den letzten Startplatz des Teams in Anspruch zu nehmen. Schließlich war das erste Rennen der Liga eine Sprintdistanz und damit ließe sich dann sicherlich gut beginnen. Nur 750 Meter schwimmen standen auf dem Plan. Das kam mir zu diesem Zeitpunkt sehr gelegen. Dachte ich zumindest…

 

Die Nervosität war entsprechend groß – aber hey: ich hatte ja gut trainiert. Das Selbstvertrauen war vorhanden. Bis ich im Becken war und mir mit 7 anderen Teilnehmern eine Bahn teilte. 50 Meter-Becken statt Freiwasser. Auch das kommt mir sicherlich sehr gelegen, viel Freiwasser-Erfahrung hatte ich schließlich noch nicht. Dennoch habe ich wohl den schlimmsten aller Fehler begangen: Ich bin viel zu schnell angegangen und die Arme ließen bereits nach kurzer Zeit ordentlich federn. Mit völliger Selbstüberschätzung ließ die Konsequenz nicht lange auf sich warten: Mit schwachen Armen und einer miserablen Technik kam ich als Letzter (!) aus dem Wasser. Ich konnte mich vor lauter Erschöpfung kaum am Beckenrand hochdrücken und kroch auf den Knien über den Beckenrand zurück ans Land. Das hatte ich so nicht erwartet. Triathlon ist eben doch ein sehr ehrlicher Sport.

 

Beim Radfahren und Laufen konnte ich dann immerhin noch so viel aufholen, dass ich am Ende nicht den letzten Platz belegte. Trotzdem war das Selbstvertrauen auf einmal vollkommen verschwunden. Eine Mitteldistanz im September? Im Freiwasser? Das schien mir unmöglich.

 

Dabei war es doch nun wirklich nur eine Disziplin, die ich extrem verbessern musste. Das hieß viel Aufwand und viele Stunden im Wasser. Aber ich hatte mir schließlich ein Ziel gesetzt und eine Entscheidung gefällt. Und Ziele lässt man nicht einfach so fallen! Unter 6 Stunden für 1,9 km Schwimmen, 90 km Radfahren und 21 km Laufen. Das sollte die goldene Marke für meine erste Mitteldistanz sein.

 

Am 04. September ließ mich dann leider zunächst etwas das Wetter im Stich. 1,9km im Freiwasser waren für mich die größte Herausforderung. Und vor dem Start zog sich die Wolkendecke ordentlich zusammen. Bereits im Neoprenanzug machte ich mich auf den Weg zum Start und sprang gerade ins Wasser, als der Veranstalter plötzlich umgehend sämtliche Teilnehmer aus dem Wasser herauszitierte. Unwetterwarnung. Nach 1,5 Stunden Wartezeit war die Anspannung zwar verflogen, das Adrenalin aber leider auch. Bis auf einmal der Startschuss knallte und der Körper sofort das Adrenalin ausstieß. Wahnsinn. Ein irres Gefühl, wenn sich eine Menschenmasse schwimmend in Bewegung setzt und man selbst mittendrin ist.

 

Der erste Wechsel verlief reibungslos und auch die Schwimmzeit von 42:40 Minuten war für mich voll in Ordnung. Das nennt man dann wohl einen kräftigen Motivationsschub. Also ab aufs Rad und bitte nicht überziehen. Die Strecke hatte ich mir angeschaut und ich wusste, wie windanfällig diese war. Also ruhig angehen und Kraft sparen. Man macht ja schließlich den gleichen Fehler nicht zwei Mal.

Leider sollte der Wind aber nicht mein Problem werden sondern mein Fahrradschlauch, der nach guten 30km keine Luft mehr in sich behalten wollte. SCH****! Absteigen, Schlauch wechseln und wieder aufsteigen. Das klingt so einfach. Aber nicht, wenn man voller Adrenalin ist und den Mantel mit zittrigen Händen nicht wieder auf die Felge bekommt. Verzweiflung machte sich breit. Ganze 15 Minuten hat mich dieser Wechsel gekostet. Mein Ziel von 6 Stunden sah ich in weiter Ferne.

 

Die restliche Radstrecke fuhr ich mit einem ganz miesen Gefühl. Ein weiterer platter Reifen würde mich das Rennen kosten, denn mein Wechselschlauch war aufgebraucht. Ich hätte schieben müssen. Doch soweit kam es zum Glück nicht. Mit voller Power fuhr ich zum zweiten Wechsel und mit ordentlich Wut im Bauch startete ich auf die abschließenden 21km Laufen.

 

Und was dann passierte, werde ich bis heute nicht vergessen. Ich lief genau an der Stelle vorbei, an der ich vorher den Schlauch gewechselt hatte. Und der kaputte Schlauch lag immer noch dort. Ich weiß bis heute nicht wieso, aber ich habe ihn während des Laufens aufgesammelt und ihn den kompletten Weg mit mir geführt. Ich wollte diesem Schweinehund zeigen, dass er mich an diesem Tag nicht von meinem Ziel abbringt. Mit diesem Adrenalin war ich wie im Tunnel unterwegs und spulte Kilometer um Kilometer deutlich unter der angepeilten Zeit ab. Bei 5:49:39 lief ich über die Ziellinie und war der glücklichste Mensch der Welt! Den Siegesschrei höre ich heute noch. Und den Schlauch werde ich auch nicht mehr hergeben. Den habe ich mir als Andenken und Motivationshilfe  bewahrt.

 

#nurderkopfzählt

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